Fontanegedenkstein am Zeuthener See, der an den Aufenthalt des Dichters im Mai 1884 im Miersdorfer Ortsteil Hankels Ablage

Foto: Theodor-Fontane-Kreis Zeuthen

Theodor-Fontane-Kreis Zeuthen

Zeuthen – gelegen im Brandenburger Landkreis Dahme-Spreewald – schrieb in der Fontane-Rezeption Geschichte: Der THEODOR-FONTANE-KREIS ZEUTHEN wurde noch in der DDR und vor der Fontane Gesellschaft (seit 1990) ins Leben gerufen. Auf Initiative von Joachim Kleine wurde er am 17. April 1985 als Arbeitsgemeinschaft im Kulturbund der DDR gegründet. Nach der deutschen Wiedervereinigung gehörte der Kreis zu den Mitbegründern der Theodor Fontane Gesellschaft e. V., der er zum 1. Januar 1991 beitrat.

Gruss aus dem Seglerschloss – Hankels Ablage am Zeuthener See“, Postkarte, ca. 1912

Archiv: Rauh

Anlässlich der 100. Wiederkehr eines mehrwöchigen Aufenthaltes Theodor Fontanes in der Sommerfrische Hankels Ablage (seit 1957 Ortsteil von Zeuthen) im Mai 1884 wurde die Dauerausstellung „Fontane und Hankels Ablage“ eröffnet. „Hankels Ablage“ war zunächst ein Lagerplatz für Holz an der Dahme – benannt nach dessen Besitzer: Friedrich Hankel, der das Grundstück 1789 erwarb. Fontane hatte die Örtlichkeit am Zeuthener See in die Handlung seines Romans „Irrungen, Wirrungen“ integriert und während seines Besuches an seiner „Berliner Alltagsgeschichte“ weitergeschrieben. Die Ausstellung in der Cafeteria von DESY Zeuthen gibt Einblicke in Leben und Werk von Theodor Fontane und veranschaulicht die Geschichte von Hankels Ablage und die Stufen ihrer literarischen Gestaltung durch Theodor Fontane.

„Ja, Lene. Kannst du mir verzeihen?“ („Irrungen, Wirrungen“): Träumerei, Gemälde von Franz Paul Maria Guillery, 1920

Der Fontane-Kreis Zeuthen wird seit 2020 von Barbara Münzer geleitet. Das Veranstaltungsprogramm umfasst Vorträge, Lesungen und Gespräche mit Schriftstellern und Exkursionen zu Orten, die von Fontane bereist oder beschrieben wurden. Seit 1998 findet im Juni der Zeuthener Fontane-Tag statt.

Zu den Aktivitäten des Fontane-Kreises gehören auch Führungen (nach Voranmeldung) sowie die Pflege und Gestaltung der Fontanestätten am Ort in Zeuthen: die Fontane-Ausstellung im DESY, den Fontaneplatz Zeuthen mit Wandbild und Gedenkstein, die Tafel über die ehemalige Waldschänke auf dem REWE-Parkplatz am Bahnhof Zeuthen sowie das Miersdorfer Heidchen.

Erinnerung an das Bahnhofsrestaurant „Waldschänke“ am Haltepunkt „Hankels Ablage“, in das Theodor Fontane im Mai 1885 mit seiner Tochter Martha einkehrte:

Enthüllung der Gedenktafel mit Joachim Kleine (Fontane-Kreis Zeuthen) und Selina Hasslinger (REWE) am 11. August 2020

Foto: Fontane-Kreis Zeuthen

Vierzig Jahre Theodor-Fontane-Kreis Zeuthen

von Hubertus Fischer, Germanist und Ehrenpräsident der Theodor Fontane Gesellschaft

Ein Fest wie dieses darf keiner versäumen, an ihm kann niemand vorübergehen, der einmal in diesem Kreis zu Gast war. Ich durfte es mehr als einmal sein. Was wäre denn die Theodor Fontane Gesellschaft ohne den Fontanekreis Zeuthen? Hier an der Dahme, am Zeuthener See, liegt ihr Same, Jahre vor der Gründung unserer Gesellschaft gesät. Impulse, starke Impulse, gingen damals vom Theodor-Fontane-Archiv mit Manfred Horlitz und vom Zeuthener Kreis mit Joachim Kleine aus.

Zeuthen sollte für alle, die im vereinten Deutschland Fontanekreise gründen wollten, Vorbild und Ermunterung sein. Das hatte unsere erste Ehrenpräsidentin, Charlotte Jolles, der Gesellschaft 1990 mit auf den Weg gegeben. Und sie wusste, wovon sie sprach, denn sie hatte noch am 8. Mai 1989 den Fontanekreis Zeuthen besucht, sich umgeschaut und das, was sie sah, für gut befunden. Unbestechlich ihr Blick, sie kam auch wieder zurück.

Viele sind in den vierzig Jahren gekommen und wiedergekommen, allen voran in frühen und in späten Jahren unser Ehrenmitglied Gotthard Erler, aber auch unser hochverdienter erster Vorsitzender Helmuth Nürnberger, dem ich 2002 folgen konnte; Regina Dieterle, die mir wiederum 2010 im Vorsitz folgte, Roland Berbig, der unsere Gesellschaft in herausfordernder Zeit mit hohem Einsatz und Geschick geleitet hat, Peter Wruck, ohne den die Gesellschaft nicht geworden wäre, was sie geworden ist, und unser Ehrenmitglied Henry Remak, der 2001 über Fontane und den jüdischen Kultureinfluss in Deutschland in einem virtuellen, beeindruckenden Vortrag sprach.

Nehme ich hinzu, dass unser Ehrenmitglied Sigurd Hauff, lange Jahre mit Hans-Jürgen Pahn Leiter der Fontane-Sektion Berlin-Brandenburg, gerne und häufig hier zu Gast war, ja, dass beide Kreise vielfach zusammenwirkten und dies immer noch tun, dann zeigt sich, welch große Anziehungskraft der Fontanekreis Zeuthen auf unsere Gesellschaft allezeit ausgeübt hat. Nicht umsonst fand im Seehotel Zeuthen 1997 die legendäre 7. Jahrestagung der Gesellschaft statt: mit der Lesung aus „Irrungen, Wirrungen“ durch Schülerinnen und Schüler der Paul-Dessau-Schule und mit einer Exkursion unter Leitung von Günter de Bruyn.

Woran liegt es, dass der Kreis Zeuthen über vierzig Jahre seine Anziehungskraft ungebrochen bewahrt hat? Natürlich an dem abwechslungsreichen, immer wieder  neuen, einladenden Programm aus Vortrag, Lesung, Buchvorstellung, literarisch-musikalischer Darbietung, Film, Ausstellung, Exkursion und den mittlerweile zur Institution gewordenen Fontane-Tagen, deren 25. wir heute erleben. In diesem Kreise wird aber auch in besonderer Weise das gesprochene Wort geschätzt und gepflegt, weshalb Künstler des Wortes hier gerne zu Gast waren: Ruth Kraft, Heinz Knobloch, Helga Königsdorf, Hermann Kant, Lothar Kusche, Joachim Seyppel, Gisela Heller, Annett Gröschner, Horst Bosetzky und – immer wieder in früheren Jahren – Günter de Bruyn, bis dann der Sohn, Wolfgang de Bruyn, mit dem Vermächtnis des Vaters an seine Stelle trat.

Die Pflege des Lokal-Regionalen, des Dahme-Landschaftlichen, hat sicherlich auch eine Bindungswirkung nach innen und außen gehabt. Außerdem ist dem Kreis immer wieder der Brückenschlag zu benachbarten Schulen, zu Schülern und Schülerinnen gelungen. So richtig und wichtig das alles ist: Was diesen Kreis im Innersten zusammenhält, ist sein freundliches, respektvolles Verbundensein in der Liebe zur Literatur, zur Kunst überhaupt. Ein Verbundensein, das durchpulst und durchwärmt wird von der Liebe zu Fontane. So habe ich es immer empfunden, wenn ich in diesem Kreis zu Gast war. Und dieser Geist des Zeuthener Kreises geht auf seinen Stifter und unermüdlichen Anstifter zurück. Für vierzig Jahre Unermüdlichkeit sagt die Fontane Gesellschaft Dank, Dank an Joachim Kleine, Dank an Barbara Münzer, Dank an Sonja Pansegrau und Dank an all jene, die seit Jahren helfen, raten und mit Herz und Hand dabei sind.

Der Beitrag ist ein Grußwort, das Hubertus Fischer zum vierzigjährigen Bestehen des Fontanekreises Zeuthen am 28. Juni 2025 gehalten hat.

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Literatur:

  • Joachim Kleine, Die Hankels auf Hankels Ablage. Wo Fontane n der Sommerfrische war, Irmtraud Carl Verlag, Zeuthen 1999.
  • Elfriede Steyer (Hrsg.), Theodor Fontane in Zeuthen. 25 Jahre Fontane-Kreis, Satz und Umschlag: Evelyn Kreksch; Schaltungsdienst Lange, Berlin 2011.
  • Theodor Fontane: Irrungen, Wirrungen. Roman, bearb. von Karen Bauer. Aufbau-Verlag, Berlin 1997 (Große Brandenburger Ausgabe, Das erzählerische Werk, Bd. 10).
  • Theodor Fontane: Kolonie Zeuthensee, in: Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Große Brandenburgische Ausgabe, Band 6: Dörfer und Flecken im Lande Ruppin, hrsg. von Gotthard Erler unter Mitarbeit von Therese Erler, Aufbau-Verlag, Berlin 1997, S. 557 f.