Theodor Fontane und Gottfried Keller – und der Deutsch-Französische Krieg 1870/71

von Regina Dieterle, Germanistin

Eine Doppelbiographie von Theodor Fontane und Gottfried Keller würde erstaunlich viele Berührungspunkte zu Tage fördern und uns das europäische 19. Jahrhundert aktuell nahebringen. Dennoch müsste es bei der längst bekannten Erkenntnis bleiben: Fontane und Keller sind sich nie persönlich begegnet. Als Keller schon gestorben war und nicht preisgegeben hatte, was er eigentlich von Fontane wusste und gelesen hatte, meinte der Berliner Schriftsteller, der Kellers Werke und Jakob Baechtolds Keller-Biographie sehr gut kannte und sich durch gemeinsame Freunde wie Otto Brahm viel von ihm hatte erzählen lassen: „[…] ich habe Keller, Gott sei Dank, nicht kennen gelernt, war aber, einen Augenblick lang, ganz ernsthaft unter der Vorstellung, ich kennte ihn so genau wie meine Rocktasche.“

Zur Autorin: Regina Dieterle (geb. 1958), Fontane-Biografin und freie Autorin, war von 2010 bis 2014 Vorsitzende der Theodor Fontane Gesellschaft und unterrichtete bis 2020 an einem Züricher Gymnasium. Zuletzt erschien von ihr: Mit Tempo und Courage. Thea de Terra – Berliner Rennfahrerin der 1920er Jahre. Dieterle lebt in Zürich.


Quelle

  • Regina Dieterle: „Und drehte mir das Hirn im Kopfe herum“. Der Deutsch-Französische Krieg von 1870/71 und sein kritischer Widerhall bei Theodor Fontane und Gottfried Keller, Rede zum Herbstbott 2020; in: Mitteilungen der Gottfried-Keller-Gesellschaft, Zürich 2021, S. 9–58.

Titelbild

  • Alphonse de Neuville: Der Friedhof von Saint-Privat [bei Metz während der Kämpfe zwischen französischen und preußischen Truppen am 18. August 1870], Öl auf Leinwand, 1881, Musée d´Orsay, Paris.  Foto: Sebastian Krahl

Eine Meinung zu “Theodor Fontane und Gottfried Keller – und der Deutsch-Französische Krieg 1870/71

  1. Dietrich Jahnke sagt:

    „als ein neuer Krieg mitten in Europa ausbrach, den beide Kriegsparteien heraufbeschworen hatten. Der Funke sprang, als Frankreich und Preußen sich wegen der Besetzung des spanischen Throns durch einen Hohenzollern der katholischen Linie zerstritten“
    „die nationale Grenze zwischen den beiden hochzivilisierten Ländern mit Siegermiene verschoben. Letzteres war eine schlimme Demütigung für Frankreich, das sorglos den Krieg erklärt hatte und ihn verlor“

    Die einleitenden Formulierungen
    „beide Kriegsparteien heraufbeschworen“
    „Frankreich und Preußen sich wegen der Besetzung des spanischen Throns zerstritten“
    „schlimme Demütigung für Frankreich, das sorglos den Krieg erklärt hatte“

    sind, vor allem aus preußischer Sicht, recht fragwürdig, wie ich finde.
    Doch sei´s drum – Dank an die Autorin für den interessanten Beitrag zum Krieg 1870/71 aus Gottfried Kellers sowie aus Schweizer Sicht.

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